BVK Statistik 1. Halbjahr 2022 - Deutscher Beteiligungskapitalmarkt stabil im sich weiter eintrübenden Umfeld

Ein Plus im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr

"Der deutsche Beteiligungsmarkt hat sich in einem sich eintrübenden Umfeld behauptet. 8,4 Mrd. € investierten Beteiligungsgesellschaften hierzulande im ersten Halbjahr 2022“, so Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zu den heute vorgelegten Marktzahlen. „Nach den investitionsstarken Jahren 2019 bis 2021 und dem letztjährigen Rekordjahr mit Investitionen von 17,8 Mrd. € haben wir einen guten Start ins laufende Jahr gesehen. Wir sind aber skeptisch, ob sich das Investitionsniveau angesichts der schwierigen politischen und gesamtwirtschaftlichen Lage hält“.

Investitionen von 8,4 Mrd. € bedeuten ein Plus im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr, als 7,4 Mrd. € investiert wurden. Das Volumen des zweiten Halbjahres 2021 mit 10,46 Mrd. € wurde jedoch deutlich verfehlt. Insgesamt wurden 522 Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres mit Beteiligungskapital finanziert, davon 373 mit Venture Capital.

Buy-Outs auf hohem Niveau

Auch bei den Buy-Out-Investitionen wurde zwar das Niveau des ersten Halbjahres 2021 übertroffen, das des zweiten Halbjahres aber nicht erreicht. 5,04 Mrd. € wurden investiert – nach 3,06 Mrd. € (H1) und 6,43 Mrd. € (H2) im Jahr zuvor. 64 Transaktionen wurden gezählt (H1 21: 71). „Die konjunkturellen Unsicherheiten und die Zinspolitik schlagen sich im Buy-Out-Bereich besonders nieder. Unsichere Geschäftsaussichten machen Transaktionen schwieriger und langwieriger, gerade im Hinblick auf die Kaufpreisfindung“, erläutert Hinrichs. „Die belastende Situation wird sich vorerst nicht ändern, so dass abzuwarten bleibt, welche Transaktionen bis zum Jahresende noch kommen werden“. Zu den größten angekündigten bzw. bereits abgeschlossenen Transaktionen im bisherigen Jahresverlauf gehören Aareal Bank, Veonet, Lanxess High-Performance Materials und GfK. „Viele Investoren werden ihren Fokus darauf legen, ihre bestehenden Beteiligungen wetterfest zu machen. Hier kann sich Private Equity als Stabilitätsanker beweisen“, blickt Hinrichs voraus.

Die meist mittelstandsorientierten Minderheitsbeteiligungen (Wachstums-, Replacement- und Turnaround-Finanzierungen) summierten auf 1,2 Mrd. € und blieben damit deutlich unter dem Vorjahresniveau (H1: 2,23 Mrd. €, H2: 2,16 Mrd. €). In diesem Marktsegment fluktuieren die Investitionen regelmäßig aufgrund großer Einzelinvestments bei etablierten Mittelständlern und reiferen Jungunternehmen.

Venture Capital auf stabil hohem Niveau

Die Venture Capital-Investitionen bewegen sich weiterhin auf stabil hohem Niveau. 2,16 Mrd. € investierten Beteiligungsgesellschaften im ersten Halbjahr und damit sogar etwas mehr als in beiden Vorjahreszeiträumen (H1: 2,09 Mrd. € H2: 1,88 Mrd. €). Auch im ersten Halbjahr wurden wieder zahlreiche dreistellige Finanzierungsrunden abgeschlossen wie zum Beispiel bei Celonis, Trade Republic, Wefox, 1Komma5, Taxfix oder Forto, und Beteiligungsgesellschaften haben substantiell neben anderen Investoren mitinvestiert. „Insgesamt ist ein weiterhin sehr aktives Venture Capital-Geschehen festzustellen, dass sich gegen die gesamtwirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten stemmen kann. Das spricht für die Stärke des hiesigen Ökosystems“, ergänzt Hinrichs. „Aber auch für das Venture Capital-Segment gilt, dass man die weitere Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds im Auge haben muss“.

Die gesamte, vorläufige Statistik für das erste Halbjahr 2022 finden Sie auf der Website: www.bvkap.de

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